Mit Gratis-ÖV gegen Autostaus
Luxemburg Das Grossherzogtum ist das erste Land der Welt, in dem alle öffentlichen Verkehrsmittel gratis sind: Seit Samstag braucht man für Bus, Bahn und Tram keine Tickets mehr. Die Neuerung ist Teil eines grossen Konzepts zur Verkehrswende im kleinen Land, das zunehmend unter Staus und übervollen Strassen leidet. Parallel dazu werden Bus- und Bahnlinien stark ausgebaut. Der Gratis-ÖV bedeutet für den Staat Mehrausgaben von 41 Millionen Euro im Jahr, (sda)
Quelle: Baz 2.3.2020
Selektion oder Befähigung: Wie kann die Mobilität älterer Fahrer aufrechterhal ten werden?
Stellungnahme namens des Vorstandes der
Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie e.V. (DGVP)
Wolfgang Fastenmeier, Herbert Gstalter, Klaus Rompe, Ralf Risser
Zusammenfassung:
In jüngerer Zeit wird vermehrt die Frage diskutiert, ob die in verschiedenen Staaten praktizierten Pflichtuntersuchungen zur Fahreignung älterer Fahrer angemessen sind. Mittlerweile liegen aus verschiedenen Ländern Ergebnisse von Evaluationsstudien vor, die den Nutzen solcher Überprüfungen bewertet haben. Ebenso sind inzwischen zusammenfassende Bewertungen dieses empirischen Materials veröffentlicht worden.
Einhelliges Resultat dieser Arbeiten: Eine auf das Lebensalter allein bezogene Überprüfung verbessert die Verkehrssicherheit nicht, unabhängig von der Art der eingesetzten Prüfmethoden. Altersbezogene Screenings ergeben vielmehr negative Effekte für die Senioren, insbesondere durch den Wechsel auf wesentlich gefährlichere Arten der Verkehrsbeteiligung (zu Fuß gehen, Fahrrad fahren). Auch die in diesen Screenings eingesetzten Methoden/Prädiktoren (also z.B. körperl. Untersuchung, Sehtest, „kognitiver“ Test) erweisen sich als untauglich, da keine zufriedenstellenden Zusammenhänge zwischen der Messung dieser individuellen Parameter und der tatsächlichen Fahreignung bzw. eines zukünftigen Unfallrisikos älterer Fahrer herzustellen sind. Es ist heute möglich, individuelle Stärken und Schwächen älterer Fahrer zu identifizieren. Dazu liegen Konzepte zur Fahrverhaltensbeobachtung, zur individuellen Beratung und zum Training im Realverkehr vor, die erprobt sind und nachweislich positive Effekte zeigen. Für ihre breitere Anwendung – auf freiwilliger Basis und anlassbezogen – müssen mehr Anreize geschaffen werden. Zu befähigen statt auszusondern muss das Ziel für den Umgang mit Senioren am Steuer sein.
Download: Studie Selektion und Befähigung